Wieviel Wasser brauche ich im Notfall?
2 Liter pro Tag ist die Grundregel – aber stimmt das? Wir erklären, wie viel Wasser Sie für Trinken, Kochen und Hygiene wirklich benötigen.
Eine der häufigsten Fragen in der Notfallvorsorge ist: Wie viel Wasser muss ich eigentlich einlagern? Die kurze Antwort lautet: mehr als die meisten denken. Wasser wird nicht nur zum Trinken benötigt – Kochen, Hygiene und medizinische Grundversorgung kommen hinzu. Dieser Artikel erklärt, wie sich der tatsächliche Bedarf zusammensetzt und wie Sie Ihren Haushalt konkret berechnen.
Die BBK-Empfehlung: 2 Liter – nur der Anfang
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt als Mindestwasservorrat 2 Liter pro Person und Tag für 14 Tage. Das ergibt für eine Person 28 Liter, für eine vierköpfige Familie 112 Liter. Diese 2 Liter beziehen sich jedoch ausschließlich auf das Trinken und die grundlegendste Nahrungszubereitung unter absoluten Minimalbedingungen.
2 Liter pro Tag sind das absolute Minimum für Überleben. Für eine komfortablere Notfallversorgung inklusive Kochen und einfacher Hygiene rechnen Katastrophenschutz-Experten mit 3–5 Litern pro Person und Tag.
Wofür wird Wasser im Notfall wirklich gebraucht?
Trinken: 1,5–2 Liter täglich
Ein erwachsener Mensch benötigt je nach Körpergewicht, Aktivität und Temperatur zwischen 1,5 und 3 Liter Trinkwasser täglich. Bei Hitze, körperlicher Arbeit oder Krankheit steigt der Bedarf erheblich. Kinder haben einen geringeren Absolutbedarf, aber einen höheren relativen Bedarf pro Kilogramm Körpergewicht. Als Planungsgröße gilt 2 Liter als sicherer Basiswert für einen ruhenden Erwachsenen.
Kochen und Nahrungszubereitung: 1–2 Liter täglich
Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte und Suppenpulver – die typischen Notfallvorräte – benötigen erhebliche Wassermengen zum Kochen. Hinzu kommt Wasser zum Spülen von Geschirr und Töpfen. Wer auf Trockenkost oder Konserven setzt, senkt diesen Bedarf; wer frisch kocht oder Back-Lebensmittel rehydriert, liegt eher bei 2 Litern täglich.
Körperhygiene: 0,5–1 Liter täglich
Hände waschen, Zähne putzen, Gesicht reinigen – das klingt nach wenig, summiert sich aber. In echten Krisen hält strikte Händehygiene Krankheiten auf Abstand. Wer krank wird, verbraucht zudem mehr: Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf, Erbrechen oder Durchfall können schnell zur Dehydrierung führen.
Haustiere nicht vergessen
Ein mittlerer Hund benötigt täglich etwa 0,5–1 Liter Wasser, eine Katze ca. 0,2–0,3 Liter. Wer Tiere hält, muss diesen Bedarf in die Vorratskalkulation einbeziehen.
Realistischer Tagesbedarf: Die 3-Kategorien-Tabelle
- Absolutes Minimum (Überleben): 2 L/Person/Tag – nur Trinken, minimales Kochen
- Basisbedarf (empfohlen): 3–4 L/Person/Tag – Trinken, Kochen, Grundhygiene
- Komfortversorgung: 5–7 L/Person/Tag – normales Kochen, Körperpflege, Putzen
- Bei Hitze oder körperlicher Arbeit: +1–2 L extra pro Person
- Säuglinge: +0,5–1 L für Flaschenzubereitung
- Haustiere: 0,2–1 L je nach Tier und Größe
Rechenbeispiel: Vierköpfige Familie für 14 Tage
Basisbedarf 3,5 Liter × 4 Personen × 14 Tage = 196 Liter. Hinzu kommt 1 Hund (0,7 L × 14 Tage = 10 L). Gesamtvorrat: rund 206 Liter. Das entspricht etwa 10 Standard-Eurokanistern à 20 Liter oder 170 Flaschen à 1,5 Liter. Das zeigt: Der Vorrat ist logistisch aufwändig – umso wichtiger, parallel die Fähigkeit zur Wasseraufbereitung (Filter, Desinfektion) aufzubauen.
Wie lagert man Wasser richtig?
Wasser an sich hat kein Verfallsdatum – aber der Behälter und die Lagerbedingungen entscheiden über die Qualität. Falsches Lagern führt zu Keimwachstum, Geschmacksverlust oder Kontamination.
- Ausschließlich lebensmittelechte Behälter verwenden (HDPE, PP oder Glas – kein PVC)
- Dunkel und kühl lagern: Licht und Wärme fördern Algenwachstum und Keimvermehrung
- Direkt vom Hahn abfüllen – kein Brunnenwasser oder vorgefiltertes Wasser ohne Desinfektion
- Behälter alle 6–12 Monate leeren, reinigen und neu befüllen
- Beschriften: Abfülldatum auf jedem Kanister notieren
- Nicht auf dem Boden lagern, wenn möglich – Regalablage schützt vor Feuchtigkeit von unten
Wasservorrat vs. Wasseraufbereitung: Beide Wege kombinieren
Einen Vorrat anzulegen ist gut – aber allein nicht ausreichend für längere Krisen. Experten empfehlen die Kombination: ein physischer Vorrat für die ersten Tage plus die Fähigkeit, vorhandenes Wasser aus Quellen, Regenwasser oder eingelagertem Rohwasser aufzubereiten. Ein Wasserfilter (Sawyer Squeeze, Katadyn Vario) und Desinfektionsmittel (Chlortabletten, UV-Gerät) kosten einmalig wenig und ermöglichen eine nahezu unbegrenzte Versorgung.
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Besondere Risikogruppen: Mehr Bedarf einplanen
Schwangere, Stillende, ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder haben einen erhöhten Wasserbedarf oder sind anfälliger für Dehydrierung. Gleiches gilt bei bestehenden Erkrankungen oder in heißen Sommern. Planen Sie für diese Personengruppen mind. 4–5 Liter täglich ein und halten Sie Elektrolytpräparate als Reserve bereit.
Das Wichtigste auf einen Blick
- BBK-Minimum: 2 L/Person/Tag – realistischer Bedarf: 3–5 L/Person/Tag
- Wasser wird für Trinken, Kochen, Hygiene und ggf. Tiere benötigt
- Vierköpfige Familie (14 Tage, Basisbedarf): ca. 200 Liter einplanen
- Richtig lagern: HDPE-Kanister, dunkel und kühl, alle 6–12 Monate erneuern
- Vorrat + Aufbereitungsfähigkeit kombinieren – nicht nur auf Flaschen verlassen
- Risikogruppen: 4–5 L/Tag einplanen, Elektrolyte bereithalten
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Quellen & Nachweise
- [1]Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen – Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), 2024Quelle
- [2]
- [3]
Alle verlinkten Quellen sind öffentlich zugängliche Dokumente von Behörden und anerkannten Fachorganisationen. Stand der Recherche: Mai 2026.